H., Inge Ruth, verheiratete P.

Nachname: H.
Vorname: Inge Ruth
Geburtsdatum: 1920
Geburtsort/Wohnort: Frankfurt am Main
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 30.05.1938 – 21.11.1938
Abgemeldet nach: Frankfurt am Main
Beruf: Säuglingspflege-Praktikantin
Deportation/Flucht: Geflohen im März 1939 nach England, im Mai 1940 von Liverpool nach New York
Sterbedatum und -ort:

Ruth H. absolvierte 1938 ein sechsmonatiges Praktikum als Säuglingspflegerin im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg. Sie stammte aus Frankfurt am Main. Ihr Vater, ein Kaufmann, war Mitinhaber eines Unternehmens auf der Einkaufsstraße „Zeil“.

Ruth H. besuchte von 1926 bis 1936 in Frankfurt das Philanthropin. Nach ihren eigenen Angaben hatte sie vor, das Abitur zu machen und Chemie zu studieren. Nach dem Erlass der Nürnberger Rassegesetzte 1935 musste sie jedoch erkennen, dass für sie im nationalsozialistischen Deutschland keine Perspektive auf ein Studium und einen akademischen Beruf bestand. Deshalb beendete sie ihre Schulausbildung mit dem Realschulabschluss und ergriff einen praktischen Beruf. Zunächst absolvierte sie einen Kurs an der Israelitischen Haushaltungsschule in Frankfurt, bevor sie im April 1937 nach London übersiedelte, um sich dort zur Kinderschwester ausbilden zu lassen. Als sie nach Abschluss der theoretischen Ausbildung im April 1938 ihre Eltern in Deutschland besuchen wollte, zogen die deutschen Behörden in Bremen beim Verlassen des Schiffes ihren Pass ein. Somit konnte sie nicht nach England zurückkehren, um dort ihre Ausbildung mit einem Praktikum abzuschließen. Dieses leistete sie zwar im Heim „Isenburg“ ab, zum angestrebten Diplom verhalf ihr das jedoch nicht.

Wie die damalige Leiterin des Neu-Isenburger Heims, Helene Krämer, im Jahr 1957 bestätigte, musste Ruth H. die Einrichtung nach dem Novemberpogrom 1938 verlassen:

„Ich Endunterzeichnete, Helene Krämer, früher Isenburg bei Frankfurt […], mache hiermit folgende Angaben unter Eidesstatt: Während meiner Tätigkeit als Leiterin des jüdischen Kinderheims in Isenburg bei Frankfurt, ist Ruth P., geb. H. im August 1938 in unser Heim gekommen, um ihre Ausbildung als Kinderschwester zu beendigen.
Am 10. November 1938 ist unser Heim durch Brandstiftung vernichtet worden, und konnte Ruth P. daher nicht mehr weiter bei uns tätig sein.“

Im März 1939 konnte Ruth mit einer Erlaubnis, in England als Hausangestellte zu arbeiten, erneut aus Deutschland entkommen. Sie blieb bis Mai 1940 in England und emigrierte dann in die USA.

 

Quellen: Stadtarchiv Neu-Isenburg; Internationaler Suchdienst Bad Arolsen



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