Hofmann, Trude Therese

Nachname: Hofmann
Vorname: Trude Therese
Geburtsdatum: 07.04.1936
Geburtsort/Wohnort: Karlsruhe/ Frankfurt am Main
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 26./28.06.1941 – 20./23.07.1941
Abgemeldet nach: Frankfurt am Main
Beruf:
Deportation/Flucht: Deportiert am 12.11.1941 von Frankfurt am Main in das Ghetto Minsk
Sterbedatum und -ort:

Trude Therese Hofmann ist die Schwester des ebenfalls in diesem Gedenkbuch verzeichneten Max Hofmann.

Max und Trude Hofmann waren sechs und fünf Jahre alt, als ihre Mutter sie Ende Juni 1941 in das Heim des Jüdischen Frauenbundes nach Neu-Isenburg brachte. Die Eltern der beiden Kinder, Herbert und Thekla Hofmann, geborene Salomon, hatten am 19. Juni 1925 in Frankfurt geheiratet. Max und Trude waren die beiden jüngsten Kinder der insgesamt 7-köpfigen Familie (zum Folgenden vgl.  Gedenkbuch Karlsruhe).

1928 verließ die Familie Frankfurt und zog nach Karlsruhe, weil Herbert Hofmann hier einen gut gehenden Metzgereibetrieb übernehmen konnte, der die Zukunft der großen Familie zu sichern schien.

Herbert Hofmann erhielt einen langfristigen Pachtvertrag für die Metzgerei und einen Mietvertrag für den ersten Stock Hauses, in dem die Familie wohnen konnte. Gleichzeitig wurde auch eine Vereinbarung zur Belieferung der Jüdischen Gemeinde mit koscherem Fleisch an ihn übertragen. Dadurch schien der Familie ein regelmäßiges Einkommen garantiert.

Kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme erließ die NS-Regierung 1933 jedoch ein Schächtverbot. Sie schob Tierschutzgründe vor, wollte aber in Wirklichkeit die jüdische Glaubensgemeinschaft als grausam verunglimpfen.

Der Verkauf von koscherem Fleisch war die Lebensgrundlage der Familie Hofmann. Nach dem Schächtverbot konnte Herbert Hofmann seine jüdische Kundschaft nicht mehr halten und auch nicht seinen Vertrag mit der Jüdischen Gemeinde erfüllen. Er versuchte, sich durch den Verkauf von Fisch und Geflügel finanziell über Wasser zu halten, musste aber die Metzgerei 1935 aufgegeben. Am Morgen des 14. August 1937 verstarb er- völlig unerwartet – erst 43 Jahre alt.

Nach dem Tod ihres Mannes kehrte die Witwe 1938/1939 mit ihren fünf, teils noch kleinen Kindern in ihre Heimatstadt Frankfurt zurück. Sie wohnte in der Uhlandstraße 46 im Frankfurter Ostend in einem Haus der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland. Vermutlich war Thekla Hofmann mittellos und die Reichsvereinigung kam für den Unterhalt der Familie auf.

Thekla Hofmann lebte bis zu ihrer Deportation im Jahr 1941 in der Uhlandstraße. Ihre beiden ältesten Söhne, Alfred und Semi, übergab sie Isidor Marx, dem Leiter des Israelitischen Waisenhauses im Röderbergweg 87 in Frankfurt. Um möglichst viele Kinder aus dem Machtbereich der Nationalsozialisten zu retten, organisierten Isidor Marx und seine Frau Rosa Kindertransporte in verschiedene europäische Staaten, in die USA und nach Palästina. Alfred und Semi Hofmann wurden im November 1938 in die Niederlande verschickt, gerieten dort jedoch nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf das neutrale Land in die Fänge der Gestapo. Im Februar 1943 wurden beide, 18 und 14 Jahre alt, in das niederländischen Durchgangslager Westerbork verschleppt. Am 2. März desselben Jahres wurde Alfred in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo er am 5. März 1943 ankam und noch am selben Tag ermordet wurde. Semi Hofmann erlitt vermutlich dasselbe Schicksal.

Der drittgeborene Sohn der Familie, Manfred, lebte in Frankfurt zeitweise im Haus des „Israelitischen Lehrerinnen- und Studentinnenheims in der Rückertstraße 53. Von den beiden jüngsten Kindern, Max und Trude, ist bekannt, dass sie u. a. im Kinderheim der „Weiblichen Fürsorge“ in der Frankfurter Hans-Thoma-Straße 24 untergebracht waren. Der Zeitpunkt ist jedoch unklar. Im Sommer 1941 lebten sie, wie eingangs erwähnt, im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg.

Im Detail kann nicht mehr geklärt werden, warum die Kinder nicht bei der Mutter bleiben konnten. Wahrscheinlich lebte Thekla Hofmann in extrem beengten Wohnverhältnissen. Vermutlich verfügte sie nicht über die nötigen Mittel, um ihre Kinder zu ernähren. Wahrscheinlich musste sie Zwangsarbeit leisten und konnte deshalb ihre Kinder auch nicht betreuen. Vielleicht hoffte sie, dass die Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen jüdischer Träger sicherer vor Verfolgung wären, geschützter vor pöbelnden Nazis, die jüdische Kinder bedrohten, vor Hitlerjungen, die ihnen auf dem Weg zur Schule auflauerten und sie verprügelten. Oder sie hoffte, dass ihre Kinder aus Gemeinschaftseinrichtungen heraus eine bessere Chance hätten, ins Ausland gerettet zu werden.

Welche Gründe auch immer dazu führten, dass die Kinder nicht bei der Mutter lebten, die Mutter handelte mit Sicherheit aus verzweifelter Not.

Max und Trude Therese blieben einen Monat im Heim „Isenburg“. Am 23. Juli 1941 wurden sie wieder nach Frankfurt abgemeldet. Die Meldeadresse in Frankfurt war die der Mutter. Vermutlich wurden Max und Trude aber in das Heim der „Weiblichen Fürsorge“ in der Frankfurter Hans-Thoma-Straße 24 gebracht.

Am 11. November 1941 wurden Thekla Hofmann (39 Jahre alt), ihre beiden Söhne Manfred und Max (8 und 7 Jahre alt) sowie die Tochter Trude Therese (5 Jahre alt) zusammen mit über 1000 anderen Menschen aus Frankfurt deportiert. In diesem zweiten großen Transport, der Frankfurt verließ, wurden vor allem Familien mit mehreren Kindern verschleppt. Ziel war das Ghetto Minsk in Weißrussland. Der Transport in Viehwagen dauerte sechs quälende Tage und Nächte. Viele Menschen starben schon während der Fahrt an Hunger und Schwäche. Ob Thekla Hofmann und ihre Kinder die Tortur des Transports überlebten bzw. was sie ins Minsk erlitten, ist ungewiss.
Falls die Kinder Manfred, Max und Trude bei der Ankunft noch lebten, wurden sie möglicherweise sofort ermordet, die Mutter zur Zwangsarbeit eingesetzt. Vielleicht wurden die Kinder auch mit ihrer Mutter in die kleinen Holzhütten im Sonderghetto für deutsche Juden eingewiesen und lebten dort noch einige Zeit zusammengepfercht mit anderen Familien.

Das Schicksal der aus Frankfurt verschleppten Menschen lässt sich nur in wenigen Einzelfällen rekonstruieren. Selbst die statistischen Angaben müssen bruchstückhaft bleiben:

In den ersten Monaten starben etwa 100 an Krankheit, Hunger und Verzweiflung, mindestens weitere 100 Personen in der folgenden Zeit. Etwa 400 Personen fielen Straf- oder anderen Tötungsaktionen im Ghetto zum Opfer, wurden in Gaswagen umgebracht oder kamen von ihren Arbeitskommandos nicht zurück. 270 Personen wurden bei der Eliminierung des Ghettos getötet. Etwa 110 Männer und 30 Frauen wurden 1943 in andere Lager abgeschoben. Nur zehn Männer erlebten 1945 die Befreiung (Kingreen, Gewaltsam verschleppt, S. 362 ff.).

Thekla Hofmann und ihre Kinder wurden nach dem Zweiten Weltkrieg für tot erklärt. Ihr Sterbedatum wurde amtlich auf den 11. November 1941 festgelegt, auf den Tag ihrer Deportation in das Ghetto Minsk.

Die Biographie der Familie Hofmann wurde von Tatjana Becker  recherchiert und 2008 im „Gedenkbuch für die Karlsruher Juden“ veröffentlicht.

Quellen: Stadtarchiv Neu-Isenburg; Gedenkbuch für die Karlsruher Juden; Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 



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