Holzmann (später verheiratete Liu), Margot Johanna

Nachname: Holzmann
Vorname: Margot
Geburtsdatum: 16.01.1912
Geburtsort/Wohnort: Ratibor
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 07.07.1925 – 11.03.1928   17.07.1928 – 29.10.1928
Abgemeldet nach: Halle
Beruf: Ausbildung zur Säuglingsschwester
Deportation/Flucht:
Sterbedatum und -ort: 01.06.1993/London

Margot Holzmann wurde am 16. Januar 1912 in Ratibor (heute Racibórz/Polen) geboren. Ihre Eltern waren Paul und Hulda Holzmann, geborene Bernstein. Margot hatte zwei jüngere Schwestern, Charlotte und Ilse, die ebenfalls in diesem Gedenkbuch verzeichnet sind. In den 1920er Jahren zog die Familie nach Halle an der Saale.

Hulda Holzmann starb am 15. April 1925 im Alter von nur 32 Jahren. Ihre Töchter waren damals 13, 11 und 8 Jahre alt. Vermutlich weil der Vater als Händler viel unterwegs war, gab er seine Töchter in die Obhut des Heims „Isenburg“. Margot kam ein Jahr früher als ihre jüngeren Schwestern nach Neu-Isenburg. Sie besuchte hier ging zunächst in die Volksschule; anschließend machte sie im Heim eine Ausbildung zur Säuglings- und Kinderpflegerin.

Margot kehrte am 11. März 1928 im Alter von 16 Jahren zu ihrem Vater nach Halle zurück, hielt sich aber vom 17. Juli bis zum 29. Oktober noch einmal im Heim des Jüdischen Frauenbundes auf. Im Januar 1929 heiratete Paul Holzmann zum zweiten Mal. Seine Töchter lebten nun im Haushalt des Vaters und ihrer Stiefmutter Lea (Leonore), geborene Grünbaum. Margot besuchte in Halle die Mittelschule und nahm Ballettunterricht, denn ihr Traum war es Tänzerin zu werden – ein Traum, den sie verwirklichen konnte. Margot Holzmann wurde eine erfolgreiche Tänzerin. Bei ihren Auftritten lernte sie Marta Halusa kennen, die ihre Lebensgefährtin wurde. Wegen Margots jüdischer Herkunft und wegen ihres Zusammenlebens waren die beiden Frauen jedoch der Verfolgung durch die NS-Behörden ausgesetzt.

Am 13. November 1941 sollte Margot Holzmann deportiert werden. Um der Verschleppung zu entgehen, ging sie eine Scheinehe mit dem chinesischen Kellner Chi-Lan Liu, hielt aber die Beziehung zu Marta Halusa aufrecht.Ihr Ehemann, der sich getäuscht fühlte, versuchte vergeblich, die Ehe annulieren zu lassen. Margot und Chi-Lan Liu wurden erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geschieden.

Vermutlich seit 1943 waren Margot Liu und Marta Halusa im politischen Widerstand aktiv. Kurz vor Kriegsende wurden Margot Liu und Marta Halusa zum wiederholten Mal denunziert und von der Gestapo festgenommen. Margot wurde so brutal gefoltert, dass sie lebenslang an den Folgen litt. Beide Frauen konnten jedoch auf einem Transport entkommen und sich bis zum Einmarsch der Roten Armee verstecken.

Im Sommer 1949 reisten Margot und Marta nach England aus, wohin Margots Schwestern Ilse und Charlotte noch vor Kriegsbeginn hatten fliehen können. In England verbrachten sie noch 40 gemeinsame Jahre. Margot Holzmann starb am 1. Juni 1993 im Alter von 80 Jahren, Marta Halusa 89-jährig am 24. Juli 1999.

Margot Holzmanns Biographie wurde von Ingeborg Boxhammer erforscht und veröffentlicht: Marta Halusa und Margot Liu. Die lebenslange Liebe zweier Tänzerinnen. Jüdische Miniaturen, Bd. 175, Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2015. Ihre Arbeit ist Grundlage dieses Gedenkbucheintrags.

 Weitere Quellen: Stadtarchiv Neu-Isenburg; Daniela Fliegner: Margot Liu, geb. Holzmann und Marta Halusa – Tänzerinnen http://rosawinkel.kulturring.org/?biografie=margot-liu-und-marta-halusa



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