Katzenstein, Gretel

Nachname: Katzenstein
Vorname: Gretel
Geburtsdatum: 01.03.1911
Geburtsort/Wohnort: Rhina
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 17.06.1940 – 13.12.1940
Abgemeldet nach: Jugoslawien
Beruf: Angestellte
Deportation/Flucht: Geflohen über die Niederlande nach Jugoslawien. Möglicherweise deportiert in das Konzentrationslager Šabac.
Sterbedatum und -ort: Erschossen in der Nähe des serbischen Dorfes Zasavica

Gretel Katzenstein wurde am 1. März 1911 in Rhina im Landkreis Hersfeld-Rotenburg geboren. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg emigrierte die damals etwa 28-Jährige in die Niederlande. Dort lernte sie ihren Ehemann kennen, von dem nur der Nachname bekannt ist. Er hieß Wiener und war vermutlich polnischer Herkunft. Das Paar heiratete nach jüdischem Ritus, eine standesamtliche Trauung war für Juden nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf die Niederlande nicht mehr möglich.

1940 wurde Gretel auf Veranlassung der deutschen Besatzungsbehörden nach Deutschland zurückgebracht. Der Grund ist unklar, vielleicht sollte Gretel Katzenstein in Deutschland zur Zwangsarbeit eingesetzt werden. Sie erwartete jedoch ein Baby. Im 7. Monat schwanger kam sie im Juni 1940 in das Heim des Jüdischen Frauenbundes nach Neu-Isenburg. Wo sie sich zuvor aufgehalten hatte und wer ihre Unterbringung im Heim veranlasst hatte, ist nicht überliefert. Jedenfalls stand sie unter verstärkter Beobachtung der Gestapo.

Gretel Katzenstein brachte in Frankfurt einen Sohn zur Welt. Elf Tage nach der Geburt kehrte sie mit ihrem Kind nach Neu-Isenburg zurück, wo sie im Heim des Jüdischen Frauenbundes als Angestellte arbeitete und ihr Kind betreute. Aber Gretel war von der Festnahme durch die Gestapo bedroht, so dass sie schließlich mit Unterstützung der Heimleitung nach Zagreb floh. Ihr drei Monate altes Kind musste sie in Neu-Isenburg zurücklassen. Gretel entkam nur knapp, denn einen Tag nach ihrer Flucht kam die Gestapo in das Heim des Jüdischen Frauenbundes, um die junge Frau zu verhaften.

Von Zagreb aus hielt Gretel Katzenstein noch eine Weile Kontakt zu den Pflegerinnen ihres Kindes. Sie schickte Briefe, erhielt aus Neu-Isenburg Fotos und Berichte über die Entwicklung des Junen. Mit der Machtübernahme der Achsenmächte in Kroatien im Frühjahr 1941 brach die Verbindung jedoch ab.

Gretel Katzenstein überlebte die Shoah nicht. Sie wurde in Serbien bei einer Massenerschießung ermordet. Bei der Exhumierung der Leichen aus einem Massengrab in der Nähe des serbischen Dorfes Zasavica fand man von ihr persönliche Dokumente. Möglicherweise war Grete in das nahe gelegene Konzentrationslager Šabac (Schabatz) verschleppt worden.

Quellen: Stadtarchiv Neu-Isenburg; Jüdisches Museum Frankfurt am Main; Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 



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