Krämer, Helene

Nachname: Krämer
Vorname: Helene
Geburtsdatum: 01.07.1881
Geburtsort/Wohnort: Höchst i. O.
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 17.07.1924 – 30.10.1941
Abgemeldet nach: Kuba
Beruf: Erzieherin – Leiterin
Deportation/Flucht: Geflohen am 08.11.1941 nach Kuba, im Januar 1942 nach New York
Sterbedatum und -ort: 1977, New York

Helene Krämer wurde am 1. Juli 1881 in Höchst im Odenwald geboren. Der Vater starb noch vor ihrer Geburt, so dass die Mutter acht Kinder allein versorgen musste. In dieser Notsituation gab sie ihre siebenjährige Tochter Helene in die von Bertha Pappenheim geleitete Israelitische Mädchenwaisenanstalt des Israelitischen Frauenvereins in der Frankfurter Theobaldstraße. Bertha Pappenheim sorgte für die Ausbildung des begabten Mädchens und schickte sie auf das Humboldt-Lyzeum in Frankfurt am Main. Nach bestandener Abschlussprüfung, studierte sie zwei Jahre lang am renommierten Pestalozzi-Fröbel-Seminar, um den Beruf der Jugendleiterin zu erlernen. Zur Vervollständigung ihrer Ausbildung absolvierte sie schließlich erfolgreich einen Haushaltslehrerinnen-Kurs.

Helene Krämer arbeitete als Erzieherin in Holland, Frankreich und in Frankfurt am Main, bis sie 1907 vom Hilfsverein der deutschen Juden nach Galizien geschickt wurde, um dort die Leitung eines Waisenhauses zu übernehmen. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, musste sie Galizien verlassen. Sie übernahm nun die Leitung des Flüchtlingsheims im Rothschild’schen Bankhaus.

Bis 1921 stand Helene Krämer danach dem Jüdischen Waisenhaus in Posen vor, bevor sie erneut nach Frankfurt zurückkehrte. Hier unterrichtete sie zunächst an der Jüdischen Haushaltungsschule in Frankfurt. Nach einem Jahr jedoch holte Bertha Pappenheim sie als ihre Stellvertreterin in die Heimleitung nach Neu-Isenburg. 19 Jahre lang – bis 1941 – arbeitete Helene Krämer danach im Neu-Isenburger Heim des Jüdischen Frauenbundes. Auf Wunsch Bertha Pappenheims übernahm sie nach deren Tod die Heimleitung. 19 Jahre lang arbeitete sie in leitender Funktion im Heim des Jüdischen Frauenbundes.

Helene Krämer war die letzte jüdische Einwohnerin Neu-Isenburgs, der die Flucht aus Deutschland gelang. Ende Oktober 1941 entkam sie nach Kuba, wo sie etwa ein Jahr lang wartete, bis sich ihr schließlich die Möglichkeit eröffnete, in die USA einzureisen.

In den Vereinigten Staaten hatte Helene Krämer es schwer, beruflich Fuß zu fassen und für den eigenen Unterhalt zu sorgen, weil sie die Landessprache nicht beherrschte und sie auch bereits fast 70 Jahre alt war. Deshalb war sie zunächst auf die Unterstützung von Verwandten angewiesen. Um aber anderen möglichst nicht zur Last zu fallen, arbeitete Helene Krämer bis 1952 – damals war sie 81 Jahre alt – als Hauspflegerin. Da sie keine ständige Anstellung hatte, sondern nur in Krankheitsfällen oder zu Wochenbetten in Anspruch genommen wurde, konnte sie sich – wie sie es selbst ausdrückte „gerade so durchhungern“.

1955 lebte Helene Krämer in einem Altersheim. Dort starb sie 1977.

Quellen: Stadtarchiv Neu-Isenburg; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt; Maierhof, Gudrun, Selbstbehauptung im Chaos. Frauen in der jüdischen Selbsthilfe 1933 – 1943; Heubach, Helga, Das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg, 1907 bis 1942; www.ancestry.com

 

 



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