Löwenberg, Amalie Helga

Nachname: Löwenberg
Vorname: Amalie Helga
Geburtsdatum: 14.10.1925
Geburtsort/Wohnort: Wiesbaden, von Römerberg 14
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 17.12.1939 – 29.03.1942
Abgemeldet nach: Kassel
Beruf:
Deportation/Flucht: Deportiert am 11.06.1942 von Frankfurt am Main – möglicherweise über das Ghetto Izbica – in das Vernichtungslager Sobibór
Sterbedatum und -ort: Vernichtungslager Sobibór

Helga Löwenberg wurde im Dezember 1939 im Alter von 14 Jahren in die Obhut des Heims „Isenburg“ gegeben. Sie lebte dort etwa zwei Jahre bis zur Auflösung der Einrichtung.

Helga war zusammen mit ihrer Mutter Zerline, ihrem älteren Halbbruder Kurt und dem jüngeren Bruder Karl Heinz in Wiesbaden aufgewachsen (zum Folgenden vgl. Rink, S. 54 ff.). Die Mutter war Jüdin, der Vater offenbar kein Jude. Helga besuchte zunächst in Wiesbaden eine staatliche Schule, ab 1938 zwangsweise die Schule der Jüdischen Gemeinde in der Mainzer Straße. Die Familie war arm, denn Zerline Löwenberg musste ihre drei Kinder als ungelernte Arbeiterin allein großziehen. Sie lebte zunächst in der Adlerstraße. Laut Meldebogen der Stadt Neu-Isenburg zog Helga von Wiesbaden, Römerberg 14,  zu. Vor ihrer Deportation wurde die Familie in ein kleines Zimmer mit Küchenbenutzung in einem Ghettohaus in der Wiesbadener Ludwigstraße eingewiesen.

Am 29. März 1942 wurde Helga Löwenberg von Neu-Isenburg nach Kassel abgemeldet. Sie kehrte jedoch von dort offenbar nach Wiesbaden zurück, denn nur 2 ½ Monate später, am 11. Juni 1942, wurde sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder Karl Heinz von Wiesbaden aus in den Distrikt Lublin deportiert.

Die Deportation der Wiesbadener Juden beschreibt Willy Rink:

„Die zur Deportation bestimmten 371 Wiesbadener Juden wurden am Vormittag des 10. Juni 1942 mit Lastautos in ihren Wohnungen abgeholt, zum Hauptbahnhof Wiesbaden gebracht und in den bereitgestellten Zug verladen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Frankfurt, bei dem weitere Waggons mit 618 Frankfurter Juden und 264 Juden aus Landkreisen im Regierungsbezirk Wiesbaden angekoppelt wurden, fuhr der Zug nicht, wie viele der 1.253 Deportierten geglaubt hatten, nach Theresienstadt, sondern nach Lublin in Polen. Dort wurden die Deportierten, soweit sie den tagelangen Transport überlebt hatten, an einer Eisenbahnrampe neben dem „Alten Flugplatz“ in Lublin einer Selektion unterworfen. Rund 200 Männer im Alter zwischen 15 und 50 Jahren, die als arbeitsfähig galten, wurden ausgesondert und beim Aufbau des nahegelegenen Konzentrationslagers Majdanek eingesetzt. Alle Frauen, Kinder und die übrigen Männer wurden in die Waggons zurückgetrieben, und der Zug ‚DA 18’ fuhr die Opfer in das Vernichtungslager Sobibór in der Nähe von Lublin (Rink, S. 91).“

Möglicherweise blieben die älteren Männer, die Frauen und Kinder für wenige Tage im Ghetto von Izbica, bevor sie nach Sobibór weitertransportiert wurden.

Die 16-jährige Helga Löwenberg, ihre 41-jährige Mutter Zerline und ihr 10-jähriger Bruder Karl Heinz wurden im Vernichtungslager Sobibór ermordet. Überlebende aus diesem Transport sind nicht bekannt. Helgas 1923 geborener Halbbruder Kurt Josef war schon am 28. Dezember 1941 im Alter von 18 Jahren im Konzentrationslager Groß-Rosen umgekommen.

Helga und Karl Heinz Löwenberg waren nach der NS-Gesetzgebung sogenannte „Halbjuden“, weil nur ein Elternteil jüdischer Herkunft war. Als „Halbjuden“ wären sie vor der Deportation einigermaßen geschützt gewesen, hätten sie nicht der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden angehört. In der 1. Verordnung zum „Reichsbürgergesetz“ (Nürnberger Rassegesetz vom September 1935) heißt es im § 5(2):

„Als Jude gilt auch der von zwei jüdischen Großeltern abstammende jüdische Mischling,
a) der […] der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört …“

Auf der Grundlage dieser Verordnung wurden Helga und Karl Heinz Löwenberg als „Volljuden“ behandelt, verfolgt und ermordet.

Quellen: Stadtarchiv Neu-Isenburg; Willy Rink, Das Judenhaus; Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945



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