Reutlinger (geb. Gutmann), Hannah

Nachname: Reutlinger, geb. Gutmann
Vorname: Hannah
Geburtsdatum: 18.05.1901
Geburtsort/Wohnort: Feuchtwangen/ Kirchheim unter Teck und Frankfurt am Main
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 25.08.1937 – 04.11.1937
Abgemeldet nach: Frankfurt am Main
Beruf: Hausangestellte
Deportation/Flucht: Deportiert am 22.11.1941 von Frankfurt am Main in das Ghetto Kaunas
Sterbedatum und -ort: 25.11.1941, Ghetto Kaunas

Hannah Reutlinger wurde am 18. Mai 1901 als Tochter von Gustav und Mathilde Gutmann, geb. Koch, in Feuchtwangen geboren. Sie wohnte mit ihren Eltern und ihrem vier Jahre jüngeren Bruder in der Webergasse 172b (heute Hausnummer 4). Der Vater betrieb in Feuchtwangen seit 1900 einen Viehhandel, den die Mutter nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1932 weiterführte. 1937 starb auch Mathilde Gutmann.

Hannah lebte von Dezember 1933 bis August 1936 in Berlin. Am 15. Januar 1937 heiratete sie in Kirchheim unter Teck den Viehhändler Sally (Salli) Reutlinger, geboren am 6. September 1895 in Haigerloch. Das Ehepaar lebte für kurze Zeit in Kirchheim unter Teck, am 14. Oktober 1937 meldeten sich beide in Frankfurt am Main an. Ob Sally Reutlinger tatsächlich in Frankfurt lebte, ist ungewiss, denn noch im Jahr 1937 emigrierte er nach Belgien. Dort geriet er nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf das neutrale Land in die Fänge der deutschen Besatzer. Am 11. September 1942 wurde er von dem französischen Sammellager Drancy aus in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Die hochschwangere Hannah hielt sich ab dem 25. August 1937 im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg auf. Am 15. Oktober 1937 brachte sie die Zwillinge Gerd (Gert) und Rolf zur Welt. Die Namen der Kinder finden sich nicht in den Listen des Heims, Hannah dagegen ist noch bis zum 4. November 1937 als Heimbewohnerin verzeichnet.

Hannah Reutlinger zog von Neu-Isenburg nach Frankfurt am Main. Kurz nach Kriegsbeginn stellte sie bei der Devisenstelle Frankfurt für sich und ihre beiden Söhne einen Antrag auf Mitnahme von Umzugsgut. Sie wollte nach England fliehen. Damals war ihre Adresse „Ober Atzemer 19“, ihre Kinder waren in der Eschersheimer Landstraße 60 I untergebracht. Die Flucht gelang jedoch nicht mehr. Anfang April 1940 ging bei der Devisenstelle Frankfurt ein Schreiben von Hannah Reutlinger ein:

„Ich möchte Sie hiermit höflichst bitten, mir meine eingereichten Listen zurückzusenden, da meine Englandreise hinfällig geworden ist und momentan keine anderen Auswanderungsmöglichkeiten bestehen.“

Hannah Reutlinger wohnte zu diesem Zeitpunkt in der Rhönstr. 29. Ihre letzte Meldeadresse war die Roseggerstraße 17.  Ihre beiden Söhne waren in der Obhut des Heims des Vereins „Weibliche Fürsorge“ in der Hans-Thoma-Straße 24.

Hannah Reutlinger wurde am 22. November 1941 zusammen mit ihren beiden Kindern aus Frankfurt in das Ghetto Kaunas deportiert. Dort wurden alle aus Frankfurt Verschleppten, darunter 59 Kinder unter 10 Jahren, kurz nach ihrer Ankunft, am 25. November 1941, erschossen (Kingreen, Gewaltsam verschleppt, S. 366 ff.). Unter den Ermordeten waren die 40-jährige Hannah Reutlinger und ihre vierjährigen Söhne Gerd und Rolf. Hannahs 1905 geborenem Bruder war im Januar 1939 zusammen mit seiner Ehefrau und der gemeinsamen Tochter die Flucht in das US-amerikanische Exil gelungen.

Quellen: Stadtarchiv Neu-Isenburg; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden; Jüdisches Museum Frankfurt am Main; Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 



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