S., Ilse

Nachname: S.
Vorname: Ilse
Geburtsdatum: 1920
Geburtsort/Wohnort: Frankfurt am Main
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: Verzeichnet in der Liste des Heims vom 20.06.1939
Abgemeldet nach:
Beruf:
Deportation/Flucht: Geflohen 1939 in die USA
Sterbedatum und -ort:

Ilse S. war nur für kurze Zeit im Juni 1939 im Heim des Jüdischen Frauenbundes untergebracht. Ihre Familie stand unmittelbar vor der Auswanderung und hatte möglicherweise keine Bleibe mehr.

Ilse S. stammte aus einer wohlhabenden Familie. Sie lebte mit ihren Eltern, Emanuel und Melanie S., und dem drei Jahre jüngeren Bruder Arthur im Frankfurter Westend. Von 1926 bis 1930 besuchte Ilse die Varrentrapp-Volksschule, anschließend das Victoria-Gymnasium. Diese Schule musste sie, wie sie später im Rahmen des Entschädigungsverfahrens berichtete, 1933 wegen dauernder Belästigungen als Jüdin verlassen. Sie wechselte auf das Philanthropin, wo sie 1937 die Mittlere Reife ablegte. Auf das Abitur konnte sie sich nicht mehr vorbereiten, weil Höhere Schulen sie nicht mehr aufnahmen. Nach ihren eigenen Angaben wollte Ilse Tierärztin werden.

Die Familie S. emigrierte im Frühsommer 1939 über England in die USA. Schon Ende Februar hatte sie den Antrag gestellt, Umzugsgut mitnehmen zu dürfen. Das Verfahren zog sich jedoch hin, weil die NS-Behörden bei der Überprüfung äußerst gründlich vorgingen, mit dem Ziel, die Familie finanziell auszurauben. Das Vermögen wurde „gesichert“, d. h. auf ein Konto übertragen, auf das das Ehepaar S. keinen Zugriff mehr hatte und dessen sich mit der Ausreise der Staat bemächtigte. Außerdem musste Emanuel S. eine hohe Dego-Abgabe entrichten.

Die beantragte Umzugsliste der Familie enthielt neben Gegenständen des alltäglichen Bedarfs auch eine Fotoausrüstung, denn Arthur S. hatte eine Fotografenlehre absolviert und wollte sich in den USA als Fotograf selbständig machen. Die Liste der Objekte, die die Familie S. mitnehmen durfte, wurde jedoch nicht nur um die wertvollsten Gegenstände gekürzt, sondern zynischerweise auch um die gesamte Fotoausrüstung, mit der sich Arthur S. im Ausland eine neue Existenz aufbauen wollte.



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