S., Juditha

Nachname: S.
Vorname: Juditha
Geburtsdatum: 1921
Geburtsort/Wohnort: Viersen / von Köln zugezogen
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 02.10.1938 – 06.09.1940
Abgemeldet nach: Frankfurt am Main
Beruf:
Deportation/Flucht: Überlebende
Sterbedatum und -ort:

Juditha S. gehört zu den wenigen Bewohnerinnen aus dem Heim „Isenburg“, die die Haft in nationalsozialistischen Konzentrationslagern überlebten. Sie war 17 Jahre alt, als sie in das Heim des Jüdischen Frauenbundes nach Neu-Isenburg kam. Hier blieb sie fast zwei Jahre lang, bevor sie sich Anfang September 1940 nach Frankfurt am Main abmeldete.

Juditha, die in Viersen geboren worden war, besaß wahrscheinlich die niederländische Staatsbürgerschaft. Während des Zweiten Weltkriegs war sie von Mai 1943 bis Juni 1944 im Konzentrationslager Herzogenbusch in der niederländischen Stadt Vught interniert. Am 6. Juni 1944 wurde sie von dort nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie bis zum 14. Juni blieb. An welchen Orten sie sich in der zweiten Jahreshälfte 1944 aufhielt, ist nicht bekannt. Sie leistete in einem der Außenlager oder Kommandos, die zum Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz gehörten, Zwangsarbeit. Ab Anfang des Jahres 1945 durchlitt Juditha eine Odyssee von einem Lager ins andere. Überliefert sind hierzu nur die Aufenthaltsdaten und –orte. Anhand von Parallelschicksalen lässt sich jedoch nachvollziehen, was Juditha in dieser Zeit widerfuhr (Vgl Lehmensiek, Anning/ Hart-Moxon, Kitty).

Im Januar 1945 wurde Juditha zunächst wegen der Frontverschiebungen im Osten von Auschwitz in das niederschlesische Reichenbach (Dzierżoniów) gebracht, wo sie vermutlich in der Telefunkenfabrik arbeiten musste. Die Häftlinge aus Auschwitz waren in dem zuvor geräumten Konzentrationslager Groß-Rosen untergebracht. Im Februar 1945 wurde dieses KZ aufgegeben, Juditha musste zusammen mit den anderen Häftlingen in der Kälte des Winters und völlig unzureichend ausgerüstet über das Eulengebirge auf den Todesmarsch nach Westen gehen. Nur ein Viertel dieser gequälten Menschen überlebte.

Juditha arbeitete Ende Februar im Kommando Lange Bilau und Anfang März im Lager Trautenau (Trutnov) im tschechischen Riesengebirgsvorland. Als auch das Lager Trautenau evakuiert wurde, wurden die Häftlinge in einem Zugwaggon zusammengepfercht nach Hausberge transportiert, das heute zur Stadt Porta Westfalica gehört. Dort beschäftigte der niederländische Philips-Konzern ab Mitte Februar 1945 etwa 1000 weibliche KZ-Häftlinge, meist ungarische und niederländische Jüdinnen. Das Unternehmen Philips hatte den oberen Stollen des Jakobsberges mit Maschinen und Produktionsanlagen zur Fertigung von Wehrmachtsnachrichtengeräten vorbereitet (Hammerwerke). Die Frauen wurden bei der Produktion von Radioröhren und Glühbirnen eingesetzt (Internetseite der KZ-Gedenkstätte Neuengamme).

Am 1. April 1945 wurde das Lager geräumt. Es folgte eine tagelange Irrfahrt in Richtung Norden. Juditha erreichte in einer Gruppe von Häftlingen am 10. April Beendorf.

Am 4. Mai 1945 wurde Juditha befreit. Sie gehörte offenbar zu einigen Tausend jüdischen KZ-Häftlingen aus norddeutschen Lagern, die von Graf Folke Bernadotte, einem Neffen König Gustavs V. nach zähen Verhandlungen mit Himmler gerettet werden konnten. Juditha S. wurde am 4. Mai 1945 vom Schwedischen Roten Kreuz über Dänemark nach Schweden in Sicherheit gebracht.

Quellen: Stadtarchiv Neu-Isenburg; Internationaler Suchdienst Bad Arolsen



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