Schiff, Hertha

Nachname: Schiff
Vorname: Hertha
Geburtsdatum: 09.01.1912
Geburtsort/Wohnort: Bad Driburg (Kreis Höxter)/ Bad Driburg und Minden
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 25.05.1936 – 24.09.1936
Abgemeldet nach: Bad Driburg
Beruf: Verkäuferin
Deportation/Flucht: Deportiert am 31.03.1942 von Bielefeld über Hannover in das Ghetto Warschau
Sterbedatum und -ort:

Hertha Schiff kam im Mai 1936 nach Neu-Isenburg, um sich im Heim des Jüdischen Frauenbundes auf die Geburt ihres Kindes vorzubereiten. Drei Monate später brachte sie im Frankfurter Israelitischen Krankenhaus, Gagernstraße 36, einen Sohn zur Welt. Sie versorgte den Jungen einen Monat lang im Heim „Isenburg“, dann kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück. Ihr Kind gab sie zur Adoption frei und rettete ihm dadurch das Leben.

Hertha Schiff stammte aus einer alteingesessenen jüdischen Familie in Bad Driburg im Kreis Höxter. Ihr Vater, Moses Schiff, handelte mit Fellen, Häuten und Altmaterial, ihre Mutter Philippine hatte ein Hutgeschäft mit Modewaren und betrieb außerdem eine kleine Pension. Die Familie war in Bad Driburg integriert. Moses Schiff war in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv und Mitglied der Blaskapelle.

Während des Pogroms im November 1938 zerschlugen gewalttätige Nationalsozialisten die Fenster des Wohn- und Geschäftshauses der Familie. Dennoch blieben die Schiffs in ihrer Heimatstadt. Am 31. Juli 1942 wurden Moses und Philippine Schiff über Bielefeld in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie waren 78 bzw. 74 Jahre alt. Moses Schiff kam zwei Monate später, am 22. September 1942, im Ghetto Theresienstadt ums Leben, seine Frau am 5. Juli 1943.

Von den fünf Kindern des Ehepaares starb die Tochter Martha 1929 in Halle an der Saale. Einem Sohn gelang vor dem Zweiten Weltkrieg die Flucht in die USA. Eine Tochter heiratete 1933 den katholischen Glashändler August Böger. Sie wurde am 9. September 1944 für sechs Monate im Lager Elben in der Nähe von Kassel interniert und musste dort Zwangsarbeit leisten. Im März 1945 ging es Frau Böger gesundheitlich sehr schlecht. Ihrem Mann, August Böger, gelang es, seine Frau in drei Tagen bei Schnee mit dem Schlitten  nach Hause zu bringen. Danach wurde sie zum Schutz vor einer möglichen Deportation in den letzten Tagen der NS-Herrschaft von Nachbarn versteckt.

Die beiden Töchter Paula und Hertha sollten vermutlich später das Geschäft der Mutter übernehmen. Paula lernte den Beruf der Hutmacherin, Hertha besuchte in Bad Driburg fünf Jahre lang die Rektoratschule, die ihre Schülerinnen und Schüler auf die mittleren Klassen einer Höheren Schule vorbereitete, und lernte danach den Beruf der Textilverkäuferin.

Die beiden jungen Frauen wurden am 31. März 1942 in das Ghetto Warschau deportiert. Sie überlebten die Shoah nicht. Ein junger Driburger, der als Soldat in Warschau war, erkannte im Ghetto Hertha Schiff und machte von ihr im Sommer 1942 ein Foto für eine Geburtstagskarte an ihren Vater. Hertha Schiff lebte noch bis Januar 1943 im Warschauer Ghetto. Dann wurde sie zusammen mit 500 anderen Ghettobewohnern mit unbekanntem Ziel an einen anderen Ort verschleppt. Sie war zu diesem Zeitpunkt 31 Jahre alt. Ihr weiteres Schicksal, wie das ihrer Schwester Paula, liegt im Dunkeln.

Hertha Schiffs Sohn wurde ins Ausland adoptiert und lebt heute in den USA.

Der Beitrag beruht auf: Karl Brinkmöller: Jüdische Bürger in Bad Driburg 1900 – 1945

Weitere Quellen: Stadtarchiv Neu-Isenburg; Yad Vashem, The Central Database of Shoah Victims‘ Names



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