Seif, Golda

Nachname: Seif
Vorname: Golda
Geburtsdatum: 19.01.1937
Geburtsort/Wohnort: Reichelsheim (Odenwald)
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 08.12.1939 – 02.03.1942
Abgemeldet nach: Frankfurt am Main, Hans-Thoma-Str. 24 (Kinderheim des Vereins Weibliche Fürsorge)
Beruf:
Deportation/Flucht: Deportiert am 15.09.1942 von Frankfurt am Main in das Ghetto Theresienstadt, 12.10.1944 Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz
Sterbedatum und -ort: Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz

Golda Seif war die Tochter der ebenfalls in diesem Gedenkbuch verzeichneten Frieda (Freda) Seif. Golda wurde im Dezember 1938 im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg untergebracht. Die fünfköpfige Familie Seif war gewaltsam aus ihrem Heimatort Reichelsheim im Odenwald vertrieben worden und befand sich deshalb in einer verzweifelten Situation (zum Folgenden vgl. Datenbank des Jüdischen Museums Frankfurt am Main).

Richard Seif seine Frau Frieda, geborene Adler, beide Jahrgang 1910, lebten vermutlich ab Mitte der 1930er Jahre in Reichelsheim im Odenwald. Der älteste Sohn, Jakob, wurde 1934 in Verden geboren, die beiden Töchter, Golda, geboren 1937 und Judit, geboren 1938, kamen in Reichelsheim zur Welt.

Richard Seif war Lehrer. Da die Familie in Reichelsheim in einer zur Synagoge gehörenden Dienstwohnung lebte, ist davon auszugehen, dass Richard Seif bei der Jüdischen Gemeinde angestellt war.

1935 wurden die jüdischen Schüler in Reichelsheim vom Unterricht der öffentlichen Schule ausgeschlossen, so dass Richard Seif die sechs Schulkinder aus Reichelsheim und weitere Kinder aus Fränkisch-Crumbach täglich mit dem Gemeindebus nach Höchst im Odenwald in die private Jüdische Bezirksschule bringen musste, an der er auch selbst unterrichtete. Auf einer solchen Fahrt wurden Richard Seif und seine Schützlinge 1935 Opfer eines antisemitischen Überfalls. Eine Schülerin, die die Shoah überlebte, berichtete später:

„Eines Tages … sahen wir in einiger Entfernung einen Lastwagen quer auf der Straße stehen. … Der Besitzer des Lastwagens stieg aus der Fahrerkabine aus und hatte eine Startkurbel in seiner Faust. Er kam auf uns zu und begann, ohne ein Wort zu sagen, die Fenster unseres Busses zu zerschlagen, hinter denen wir Kinder kauerten und zu schreien begannen.“

Während des Novemberpogroms 1938 wurde die Synagoge neben der Wohnung der Familie Seif geplündert und in Brand gesetzt. Reichelsheimer Nationalsozialisten unter Führung eines Trupps Bensheimer SS-Leute verwüsteten außerdem zahlreiche Häuser von Juden und misshandelten ihre Bewohner. Sie zerrten die jüdischen Einwohner aus ihren Wohnungen und zwangen sie, um ein vor der Synagoge entfachtes Feuer zu tanzen. In diesem Feuer verbrannten die Gebetbücher und Thora-Rollen aus der Synagoge.

Die Familie Seif war unter den Opfern dieser Überfälle. Richard Seif erlitt im Zusammenhang mit dem Pogrom einen weiteren Angriff auf sein Leben. Er wurde vor ein fahrendes Auto gestoßen und entkam nur knapp dem Tod.

Am 6. Januar 1939 flüchtete Frieda Seif nach Frankfurt, Richard Seif folgte ihr am 15. Juli desselben Jahres. Die Familie betrieb vergeblich ihre Flucht in das niederländische Exil. Wo die Kinder zu diesem Zeitpunkt lebten, ist nicht überliefert. Die zweijährige Tochter Golda war vorübergehend bei Verwandten in Bocholt untergebracht, vermutlich bei ihren Großeltern.

Vier Monate, nachdem Golda im Dezember 1939 in die Obhut des Heims „Isenburg“ gegeben worden war, flüchtete sich auch ihre Mutter in das Heim. Sie arbeitete dort als Köchin. Mutter und Tochter lebten zwei Jahre lang gemeinsam in der Einrichtung.

Als im Frühjahr 1942 das Heim des Jüdischen Frauenbundes geräumt werden musste, wurden viele der Bewohnerinnen in jüdische Einrichtungen in Frankfurt verlegt. Golda Seif kam am 2. März 1942 – zusammen mit anderen Kindern aus dem Heim „Isenburg“ – in das Heim der „Weiblichen Fürsorge“, wo bereits ihre Geschwister lebten. Das bedeutete für die Fünfjährige erneut die Trennung von ihrer Mutter. Frieda Seif fand im Jüdischen Altersheim in der Frankfurter Wöhlerstraße 6 Unterkunft und eine Anstellung.

Richard Seif, wurde 1942 in das Lager Rivesaltes in der Nähe der südfranzösischen Stadt Perpignan verschleppt und noch im selben Jahr am 11. September über das Durchgangslager Drancy bei Paris in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort verliert sich seine Spur.

Frieda Seif und ihre drei Kinder wurden am 15. September 1942 von Frankfurt aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Zwei Jahre später, am 12. Oktober 1944, verschleppte man sie von Theresienstadt nach Auschwitz. Die 32-jährige Frieda Seif und ihre drei Kinder – der achtjährige Jakob, die fünfjährige Golda und die vierjährige Judit – kamen in Auschwitz ums Leben. Vermutlich wurden sie direkt nach ihrer Ankunft selektiert und ermordet.

Quelle: Datenbank des Jüdischen Museums Frankfurt am Main. Texte: zeitsprung. Kontor für Geschichte, Frankfurt am Main



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