Sondhelm, Sophie

Nachname: Sondhelm
Vorname: Sophie
Geburtsdatum: 18.03.1887
Geburtsort/Wohnort: Kleinlangheim (Kitzingen)
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 29./30.10.1941 – 04./05.04.1942
Abgemeldet nach: Darmstadt, Eschollbrückerstr. 4½ (Jüdisches Altersheim)
Beruf: Krankenschwester/Heimleiterin
Deportation/Flucht: Deportiert am 10.02.1943 von Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt, am 09.10.1944 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz
Sterbedatum und -ort: Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

Sophie Sondhelm war die letzte Leiterin des Heims „Isenburg“. Sie wurde am 18. März 1887 in der fränkischen Kleinstadt Kleinlangheim in der Nähe von Kitzingen am Main geboren. Die Familie Sondhelm lebte dort bereits seit mehreren Generationen. Sophie hatte vier Schwestern und einen Bruder, der aber früh starb. Der Vater, Seligmann Sondhelm, war von Beruf Metzger.

Sophie Sondhelm absolvierte im „Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache“ in Köln eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete anschließend in Köln als Operationsschwester. Als der Israelitische Frauenverein der Stadt Köln 1920 in Bad Kreuznach die „Kölner Jüdische Kinderheilanstalt Bad Kreuznach“ eröffnete, übernahm Sophie Sondhelm die Leitung. Sie führte das moderne Haus tatkräftig und mit großer Liebe zu ihren Schützlingen, so dass die Kinderheilstätte bald überregional als vorbildliche Einrichtung bekannt war. Sophie Sondhelms Nichte Raya charakterisierte ihre Tante und ihr Engagement später: „Sie war eine hervorragende Organisatorin, große Wirtschaftlerin und verständnisvolle Pädagogin.“

Das Bad Kreuznacher Heim wurde – ähnlich wie die Einrichtung in Neu-Isenburg -streng nach den jüdischen Glaubensregeln geführt, denn Sophie Sondhelm war tief religiös. Anders als Bertha Papenheim aber erkannte Sophie Sondhelm früh die Gefahren des Nationalsozialismus. Unmittelbar nach der NS-Machtergreifung formte sie die Kindererholungsstätte nach und nach in eine Ausbildungsstätte für junge Menschen um, die sich auf die Emigration nach Palästina vorbereiteten.

Im November 1938 wurde während des Pogroms auch die „Kölner Jüdische Kinderheilanstalt Bad Kreuznach“ angegriffen, das Inventar und die medizinischen Geräte wurden zerstört. Diese Verwüstungen nahmen die NS-Behörden zum Anlass, die Einrichtung wegen angeblicher „Verdreckung“ zu schließen. Sophie Sondhelm ging daraufhin nach Köln zurück, wo sie in einem Kindergarten arbeitete und einen Kindertransport nach Palästina organisierte, den sie auch begleiten wollte. Doch als nur sie allein eine Ausreisegenehmigung bzw. ein Zertifikat für Palästina erhielt, nicht aber die Kinder, lehnte sie ab. Während Sophie Sondhelm vielen anderen Menschen zur Flucht aus Deutschland verhalf, ließ sie selbst alle Ausreisemöglichkeiten ungenutzt verstreichen.

Wenig später übernahm Sophie Sondhelm die Leitung eines Altenheimes in Gailingen an der Schweizer Grenze. Auch dieses Heim wurde jedoch bald geschlossen, die nicht arbeitsfähigen Bewohner wurden deportiert. Mit den Verbliebenen fand Sophie Sondhelm im Jüdischen Gemeindehaus in Konstanz vorübergehend eine neue Unterkunft.

Am 18. November 1941 meldete die Bezirksstelle Hessen-Nassau der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland in Frankfurt an die Offenbacher Geheime Staatspolizei:

„Die bisherige Leiterin dieses der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland gehörenden Heims, Fräulein Helene Sara Krämer, ist ausgewandert. Wir haben an ihrer Stelle Schwester Sofie Sara Sondhelm, geboren 18.3.1887 in Kleinlangheim, Kennkarte: J, Kennort Bad Kreuznach, Kenn-Nr. A-00611, frühere Leiterin des Kinderheimes Bad Kreuznach, später Leiterin des Altersheimes Geilingen, mit der Leitung des Heimes betraut. Wir bitten der Genannten die Zuzugsgenehmigung zu erteilen.“

In Neu-Isenburg hatte Sophie Sondhelm die schwere Aufgabe, die Auflösung des Heims zu organisieren und gleichzeitig ihren Schützlingen ein Zuhause zu geben.

Nachdem das Heim „Isenburg“ Ende März 1942 geräumt war, zog Sophie Sondhelm am 5. April nach Darmstadt in das Jüdische Altersheim in der Eschollbrückerstraße 4 ½. Die Einrichtung war für viele Menschen aus Darmstadt und der Provinz Starkenburg die letzte Station vor ihrer Deportation. Sophie Sondhelm war hier vermutlich als Pflegerin tätig.

In Darmstadt geriet Sophie Sondhelm bald in das Visier der Gestapo, weil sie auf einem Schreiben im Absender und in der Unterschrift den Namenszusatz „Sara“ weggelassen hatte. Sie stand deshalb im Mai 1942 vor dem Strafrichter.

Sophie Sondhelm lebte noch ein Dreivierteljahr in Darmstadt. Am 20. Februar 1943 wurde die 55-Jährige in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Auch hier arbeitete sie pflegerisch. Im Oktober 1944 wurde sie in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz verschleppt, wo sie in den Gaskammern von Birkenau ermordet wurde.



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