Steinweg, Erna

Erna-Steinweg Nachname: Steinweg
Vorname: Erna
Geburtsdatum: 08.08.1916
Geburtsort/Wohnort:
Aufenthalt im Heim „Isenburg“: 1931/32 – 19.05.1932

23.12.1935 – 30.03.1936

Abgemeldet nach: Frankfurt am Main
Beruf: Hausangestellte
Deportation/Flucht: vermutlich Holocaustopfer
Sterbedatum und -ort:

Erna Steinweg war die Mutter der ebenfalls in diesem Gedenkbuch verzeichneten Marianne Steinweg. Sie kam am 8. August 1916 als Tochter der unverheirateten Hausangestellten Wilhelmine Steinweg zur Welt. Über Ernas Vater ist nichts bekannt. Nach Angaben ihrer Mutter fiel er als Soldat im Ersten Weltkrieg.
Erna wuchs in Pflegefamilien auf. Sie wurde von der Jüdischen Wohlfahrtspflege in Frankfurt betreut. 1920 nahm das Frankfurter Ehepaar Flörsheim die damals Vierjährige als Pflegekind zu sich. Die Familie lebte im Frankfurter Westend in guten wirtschaftlichen Verhältnissen. Erna besuchte zunächst die Holzhausen-Volksschule, anschließend die Fürstenberger Mittelschule. Das zunächst kränkliche Kind entwickelte sich zu einem sportlichen und sehr lebhaften Mädchen, das durch die sehr ängstlichen Pflegeeltern in seinem Bewegungsdrang jedoch sehr eingeschränkt wurde. Erna galt nach den Konventionen der damaligen Zeit als wildes, schwieriges Kind.
1931 beantragten Ernas Pflegeeltern, die Vierzehnjährige vorübergehend in ein Heim aufzunehmen, da sie sich mit der Erziehung ihrer Pflegetochter überfordert fühlten. Diesem Entschluss waren verschiedene Ereignisse vorausgegangen, die die Familie belasteten. So hatte sich die wirtschaftliche Lage der Flörsheims in der Weltwirtschaftskrise verschlechtert. Das Ehepaar lebte zusammen mit zwei Schwestern von Frau Flörsheim so beengt, dass die pubertierende Erna ihr Zimmer mit einer über 60-Jährigen teilen musste. Außerdem soll Erna ein halbes Jahr vor dem Antrag durch das Geschwätz einer Mitschülerin erfahren haben, dass sie nicht die leibliche Tochter des Ehepaars Flörsheim war, sondern von einer ihr unbekannten Frau unehelich geboren wurde. Die bis dahin sehr stark behütete Erna wurde mit diesen Belastungen offenbar nicht fertig. Sie entzog sich der Kontrolle ihrer Pflegeeltern, wurde in der Schule verhaltensauffällig und ließ in ihren schulischen Leistungen stark nach.
Erna Steinweg wurde 1931 oder 1932 im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg aufgenommen. Sie blieb dort bis zum 19. Mai 1932. Anschließend wurde Erna in „Freiwillige Erziehungshilfe“ übernommen.
Im Dezember 1935 kam die damals 19-Jährige erneut in die Obhut des Heims „Isenburg“. Sie war hochschwanger. Es ist nicht bekannt, wo Erna Steinweg zwischen 1932 und 1935 gelebt hatte. In den Listen des Heims „Isenburg“ wurde sie als Hausangestellte geführt.
Im Januar 1936 brachte Erna Steinweg im Frankfurter Israelitischen Krankenhaus in der Gagernstraße 36 ihre Tochter Marianne zur Welt. Nach der Geburt kehrte sie für zwei Monate in das Heim „Isenburg“ zurück, um dort ihr Kind zu betreuen. Ende März 1936 wurde Erna nach Frankfurt abgemeldet. Ihre Tochter blieb bis zur Auflösung der Einrichtung im Frühjahr 1942 im Heim des Jüdischen Frauenbundes.
Das weitere Schicksal von Erna Steinweg ist nicht sicher geklärt. 1973 wurde beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen eine Suchanfrage zu Erna Steinweg gestellt. Demnach war sie zuletzt in Deusen, dem Geburtsort ihrer Mutter, gemeldet. Möglicherweise wurde sie dorthin zur Deportation überstellt. Erna Steinweg ist verschollen.

Quellen: Unterlagen des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, des Stadtarchivs Neu-Isenburg und des Internationalen Suchdienstes



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