Spurensuche

Die Suche nach biographischen Daten der Bewohnerinnen und Bewohner des Heims „Isenburg“ gestaltet sich heute schwierig und aufwändig. Während des Pogroms im November 1938 verbrannten in der Einrichtung sämtliche Akten. Die im Frankfurter Büro des Trägervereins verbliebenen Duplikate gingen im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs verloren. Die Vernichtung der Heimakten schränkt die Möglichkeit, Biographien zu recherchieren, erheblich ein.

Für die Zeit von 1907 bis zum Ende der 1920er Jahre sind im Stadtarchiv Neu-Isenburg Daten von Bewohnerinnen und Bewohnern in einer Einwohnerkartei erhalten. Im Stadtarchiv wird außerdem die sog. „Judenkartei“ aufbewahrt. Diese enthält Aufstellungen über An- und Abmeldungen sowie diverse „Insassenlisten“, die die Heimleitung nach dem Erlass der Nürnberger Rassegesetze im September 1935 in regelmäßigen Abständen bei der Ortspolizeibehörde einreichen musste.

Aus den Quellen im Neu-Isenburger Stadtarchiv wurde eine alphabetisch sortierte Datenbank erstellt. Sie bildete die Grundlage für weitere Nachforschungen in Archiven, beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen, in Datenbanken und Gedenkbüchern. Die Recherchen in Staatsarchiven mussten bis auf wenige schriftliche Korrespondenzen und Auskünfte vorläufig auf das Hessische Hauptstaatsarchiv Wiesbaden und das Hessische Staatsarchiv Darmstadt beschränkt werden. Da die Frauen und Kinder, die im Heim „Isenburg“ aufgenommen wurden, aus dem gesamten Deutschen Reich stammten, ist zu erwarten, dass im Bundesarchiv und in den Archiven anderer Bundesländer weitere Informationen zu finden sind.

Im Jahr 2010, als diese Internetseite online ging, waren in dem Gedenkbuch 471 Frauen und Kinder verzeichnet. Im Sommer 2017 waren es bereits mehr als 650. Etwa von der Hälfte der erfassten Personen konnte das Schicksal während der NS-Zeit aufgeklärt werden. Ca. 300 Frauen und Kinder wurden nachweislich deportiert und ermordet. Mehrere Frauen nahmen sich, als sie den Deportationsbescheid erhielten, das Leben. Einige Familien wurden bereits im Oktober 1938 nach Polen abgeschoben und sind seither verschollen. Etwa 80 derjenigen, die zwischen 1907 und dem Zweiten Weltkrieg Aufnahme im Neu-Isenburger Heim des Jüdischen Frauenbundes gefunden hatten, konnten rechtzeitig ins Ausland fliehen, einzelne überlebten in Deutschland. Nur wenige  wurden 1945 aus vrschiedenen Konzentrationslagern befreit.