Spurensuche

Die Suche nach biographischen Daten der Bewohnerinnen und Bewohner des Heims „Isenburg“ gestaltet sich heute schwierig und aufwändig. Während des Pogroms im November 1938 verbrannten in der Einrichtung sämtliche Akten. Die im Frankfurter Büro des Trägervereins verbliebenen Duplikate gingen im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs verloren.

Die Vernichtung der Heimakten schränkt den Personenkreis, der in dieses Gedenkbuch aufgenommen werden konnte, erheblich ein. Das Heim „Isenburg“ existierte insgesamt mehr als 34 Jahre. Für den längsten Zeitraum seines Bestehens, nämlich für die ersten 28 Jahre, sind nur verstreut einige wenige Daten von Bewohnerinnen und Bewohnern erhalten.

Im Stadtarchiv Neu-Isenburg wird die sog. „Judenkartei“ aufbewahrt. Diese enthält Aufstellungen über An- und Abmeldungen sowie diverse „Insassenlisten“, die die Heimleitung nach dem Erlass der Nürnberger Rassegesetze im September 1935 in regelmäßigen Abständen bei der Ortspolizeibehörde einreichen musste. Darüber hinaus finden sich im Stadtarchiv einige Blätter der Einwohner-Meldekartei  zu einzelnen Heimbewohnern und Heimbewohnerinnen.

Aus den Quellen im Neu-Isenburger Stadtarchiv wurde eine alphabetisch sortierte Datenbank mit 471 Namen erstellt. Sie bildete die Grundlage für weitere Nachforschungen in Archiven, beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen, in Datenbanken und Gedenkbüchern. Die Recherchen in Staatsarchiven mussten bis auf wenige schriftliche Korrespondenzen und Auskünfte vorläufig auf das Hessische Hauptstaatsarchiv Wiesbaden und das Hessische Staatsarchiv Darmstadt beschränkt werden. Da die Frauen und Kinder, die im Heim „Isenburg“ aufgenommen wurden, aus dem gesamten Deutschen Reich stammten, ist zu erwarten, dass im Bundesarchiv und in den Archiven anderer Bundesländer weitere Informationen zu finden sind.

Das Schicksal von knapp 100 Frauen und Kindern nach ihrer Abmeldung aus dem Heim „Isenburg“ konnte bisher nicht aufgeklärt werden. Wenn man die christlichen, d. h. nicht verfolgten Heimangestellten abzieht, bleiben ca. 370 Personen, über deren Lebensweg Näheres bekannt ist: 262 Menschen wurden nachweislich deportiert und ermordet. Mehrere Frauen haben sich, als sie den Deportationsbescheid erhielten, das Leben genommen. Einige Familien wurden im Oktober 1938 nach Polen abgeschoben und sind seither verschollen. Etwa 80 Frauen und Kinder konnten rechtzeitig ins Ausland fliehen, einige haben in Deutschland überlebt – die meisten sog. „Halbjuden“, also Personen mit zwei jüdischen Großeltern. Nur wenige wurden 1945 aus Konzentrationslagern befreit.