Gedenkbuch für das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg (1907 – 1942)

Windesheim, Peter

Vorname Peter
Nachname Windesheim
Geburtsdatum 18.10.1936
Geburtsort/Wohnort Frankfurt am Main, Gagernstr. 36 (Israelitisches Krankenhaus)
Aufenthalt im Heim „Isenburg“ 29.10.1936 - 03.02.1938
Abgemeldet nach Amsterdam
Beruf -
Deportation/Flucht Adoptiert von Henri und Sophie Rosa Drukker (Amsterdam), versteckt in den Niederlanden von Arien Roeland und Elisabeth Christina Visscher-Valckenier Suringar, 1946 von Sophie Rosa Drukkers Schwester, Rose Henrietta van Adelsberg, und Meyer van Adelsberg in die USA geholt und 1948 von dem Ehepaar adoptiert. Lebt in den USA
Sterbedatum und -ort -

Peter Windesheim ist der Sohn der ebenfalls in diesem Gedenkbuch verzeichneten Ilse Windesheim. Er wurde am 18. Oktober 18936 im Israelitischen Krankenhaus in Frankfurt am Main, Gagernstraße 36,  geboren. Sein Vater war der nicht-jüdische Vertreter Peter H., über den nichts Näheres bekannt ist.

Peter und Ilse Windesheim fanden 10 Tage nach Peters Geburt Zuflucht im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg. Ilses Familie wollte das uneheliche Kind nicht annehmen. Ilse blieb ein Jahr lang zusammen mit ihrem Sohn in der Neu-Isenburger Einrichtung. Kurz nach Peters erstem Geburtstag verließ Ilse das Heim, um in einem jüdischen Altersheim in Würzburg eine Arbeitsstelle anzunehmen. Sie gab Peter zur Adoption frei. Am 4. Februar 1938 wurde der anderthalbjährige Junge über die Zentralstelle für jüdische Adoptionsvermittlung in Elberfeld nach Amsterdam vermittelt. Dort nahmen Henri und Rosa Sophie Drukker, geborene van Adelsberg, Peter zunächst in Pflege und adoptierten ihn wenige Monate später. Damals erhielt Peter den Namen Robert Henri Drukker (genannt Robbie).

Nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf die Niederlande gelang es den Adoptiveltern durch Vermittlung des Arztes Dr. Jules Drukker, der ein Neffe von Henri Drukker war, Robert Henri zu verstecken. Der Junge lebte bis 1946 in der Familie des Buchbinders Arien Roeland Visscher und seiner Ehefrau Elisabeth Christina Visscher-Valckenier Suringar. Das Ehepaar und seine beiden Töchter wurden für Robert Henri zur zweiten Familie. Robert Henris Adoptiveltern, Henri und Sophie Rosa Drukker, überlebten die Shoah nicht. Sie konnten sich zunächst ebenfalls in den Niederlanden verstecken, wurden jedoch denunziert, im Mai 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der neunjährige Robert Henri sein Zuhause bei den Visschers wieder verlassen. Die Schwester der ermordeten Sophie Rosa Drukker, Rose Henrietta van Adelsberg, und ihr Ehemann, Meyer van Adelsberg, holten ihn in die USA. Von der US-Militärbasis in Le Havre aus fuhr Robert Henri am 7. Juli 1946 zusammen mit anderen Kindern mit dem Schiff SS Marine Flasher nach New York. Von dort nahmen ihn seine Verwandten mit nach Glendale in Kalifornien. 1948 adoptierten sie den zwölfjährigen Jungen. Robert Henri erhielt noch einmal einen neuen Namen: Henri Robert van Adelsberg.

Nach dem Schulabschluss in den USA besuchte Robert Henri eine Militärakademie. Der Militärdienst führte ihn von 1954 bis 1957 wieder nach Deutschland. Von dort aus nutzte er jede Gelegenheit, um die Familie Visscher in den Niederlanden zu besuchen. Er ist den Kindern und Enkeln seiner holländischen Lebensretter  noch heute eng verbunden.

Henri Robert van Adelsberg studierte an der California State University und an der University of Southern California Law School. Danach arbeitete er in leitender Funktion in den Personalabteilungen großer Unternehmen. Später war er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2006 Eigentümer und Präsident eines Consulting-Unternehmens.

2015 heiratete Henri Robert van Adelsberg Susan, mit der er in Arizona lebt.

 

Diese Biographie wurde auf der Grundlage von Dokumenten und Informationen erstellt, die Henri und Susan van Adelsberg zur Verfügung gestellt haben.

Weitere Quelle: Stadtarchiv Neu-Isenburg

Zum Schicksal von Henri und Sophie Drukker und zur Auszeichnung von Arien Roelan Visscher und Elisabeth Christina Visscher Valkenier Suringar als "Gerechte unter den Völkern" durch die Gedenkstäötte Yad Vashem siehe den Beitrag: http://db.yadvashem.org/righteous/family.html?language=en&itemld=6947265

 

 

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