Gedenkbuch für das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg (1907 – 1942)

Sonntag, Marianne Gerda

Vorname Marianne Gerda
Nachname Sonntag
Geburtsdatum 05.01.1936
Geburtsort/Wohnort Mannheim
Aufenthalt im Heim „Isenburg“ 01.02.1936 - 20.01.1938
Abgemeldet nach Stuttgart (eigentlich Kiel)
Beruf -
Deportation/Flucht
Sterbedatum und -ort -

Marianne Gerda Sonntag wurde am 05.01.1936 in Mannheim geboren. Ihre Eltern, Heinrich Klein und Gerda Sonntag, durften nicht heiraten, da ihre Mutter Jüdin war. Wegen des verbotenen Kontakts kam ihr Vater ins Gefängnis; ihre Mutter wanderte nach der Geburt ihrer Tochter nach Shanghai aus. Da sie keine Schiffspassage für ihre Tochter bekam, gab sie sie am 01.02.1936 in das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg. In Shanghai, sie war nun eine sogenannte 'Shanghai-Jüdin', heiratete sie.

Als der Vater aus dem Gefängnis entlassen wurde, erfuhr er, dass Gerda Sonntag alleine ausgewandert war und machte sich auf die Suche nach seiner Tochter. Er fand sie 1938 in Neu-Isenburg, wurde dort vorstellig und nahm sie am 20.01.1938 zu sich. Er gab als Wohnort Stuttgart an, da er Angst vor Verfolgung hatte; in Wahrheit ging er nach Kiel. Dort trat er eine Arbeitsstelle als Ingenieur an. In Kiel wohnte er mit seiner Freundin und späteren Frau, Betti Herold, und seiner Tochter zusammen. Sie gaben Marianne Gerda Sonntag als ihre Tochter Marianne Gerda Klein, aus und achteten sehr darauf, dass sie nicht zuviel außer Hauses war, denn sie waren in ständiger Angst, dass Marianne Gerda als Halbjüdin entdeckt würde.

Ihr Vater war verpflichtet, sich regelmäßig auf der Polizeistation melden, da bekannt war, dass er mit einer jüdischen Frau ein Kind hatte. Für die Tochter bedeutete dies, dass sie wenige Kontakte hatte und die meiste Zeit zu Hause verbringen musste.  

1948 bekam die Familie einen Brief, in dem ein Kind namens Marianne Gerda Sonntag erwähnt wurde. Marianne Gerda Klein fragte nach, doch bekam nie eine Antwort.

Familie Klein zog mit der Tochter am 22.8.1946 von Kiel nach Walldorf im heutigen Baden-Württemberg, im Jahr 1950 zogen sie nach Lampertheim. Dort trennte sich Heinrich Klein von seiner Frau.

Marianne Gerda Sonntag heiratete am 24.12.1953 und schenkte fünf Töchtern das Leben. Heinrich Klein zog 1953 nach Oggersheim.

Marianne Gerda Sonntag erfuhr durch ihre Stiefmutter Betti, dass diese nicht ihre leibliche Mutter war, sondern dass ihre leibliche Mutter in den Vorkriegsjahren nach Shanghai emigrieren konnte und später nach Amerika gezogen war. Sie erfuhr auch, dass sie einen Onkel, Daniel Sonntag, hat, der als einziges Familienmitglied Auschwitz überlebt hatte und nach dem Krieg in die USA emigrierte war. Zwei Tanten konnten rechtzeitig nach Australien bzw. in die USA fliehen.

Gerda Sonntag besuchte ihre Tochter 1961 in Deutschland, nachdem die Schwester von Heinrich Klein, Gretel Weisbrod aus Walldorf, mit ihr Kontakt aufgenommen hatte.

1963 und 1967 sahen sich Mutter und Tochter in den USA.

 

 

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